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12.07.2011
Don Julio Barreda 1919 - 2006
Ein Artikel von Mike Safley > USA - übersetzt von Heike Müller
Julio Barreda - ein Künstler, der aus dem Blut einer alten Spezies winzige Teilchen der DNA aufdeckte und so im Laufe von 60 Jahren seine Vision eines perfekten und harmonischen Genotyps schuf. Seine außergewöhnlichen Fähigkeiten, eine Gabe von Gott, berührten jeden von uns.
Don Julio, 5 Fuß 6 groß, das Haar straff nach hinten gekämmt - schwarz bis zu seinem Tod, nussbraune Haut, verbrannt und zerfurcht durch die Inka - Sonne und den kalten beißenden Wind, der bis ins Mark jedes Mannes dringt, der in den Macusani - Hochebenen geboren wurde. Don Julio war ein Gigant in der Alpaka- Welt - ihr Pate. Er war der Sohn einer Quechua und eines Buchhalters aus Arequipa. Als dieser starb wurde er von seiner Mutter und seinem Großvater auf einer großen Hacienda in der Carabaya - Provinz aufgezogen. Seine Beziehung zu Alpakas begann noch bevor er sprechen konnte.
Don Julio bewegte sich in zwei Welten. Die erste war seine Heimat, verankert in der Quechua- Tradition, in der die melancholische Melodie der Ocarina die Einsamkeit der weiten Sierra begleitet und in der das Überleben vieler Schäfer von ausreichender Nahrung für ihre Alpakas abhängt. Julio Barredas zweite Welt war ausgefüllt mit den Büchern Gregor Mendels, weltpolitischen Berichten und klassischer Musik. Portraits von Guten und Bösen - Mao Zedong, Fidel Castro, Winston Churchill und Abraham Lincoln, schmückten die Wände seines Esszimmers. Politische Tyrannei verstand er aus erster Hand, nachdem er Jahre damit verbracht hatte, seine Farm Estancia Accoyo vor der Vereinnahmung durch die peruanische Regierung im Zuge der Landreform zu bewahren. Sein kugelgespickter Studebaker erinnert Besucher an die Schreckensherrschaft des Sendero Luminoso. Don Julio, stets Optimist, erklärte mir 2004 im Alter von 84 Jahren, jetzt erst mal einige Zeit keine Alpakas zu verkaufen um seine Herde für die Zukunft gut aufzustellen. Seine Leidenschaft für Alpakas entsprang einem Herzen, das nie gealtert ist.
Ich habe keinen liebenswürdigeren Menschen gekannt - stets bereit sein Wissen zu teilen und anderen zu helfen. Als er 1991 meine Ranch besuchte, verbrachte er seinen ersten Tag damit umherzugehen und die Tiere zu begutachten. Don Julio war immer höflich. So gut ich konnte versuchte ich ihm eine Einschätzung meiner Herde zu entlocken. Er vermied dies. Im Rückblick schätze ich, folgte er einem Rat, den mir schon meine Mutter gab: "Wenn du über eine Sache nichts Gutes sagen kannst, dann sag besser gar nichts."
An diesem Abend, als das Essen auf dem Tisch stand, sagte ich naiverweise zu Don Julio: "Eines Tages züchte ich bessere Alpakas als sie in Accoyo," (und das war nur halb scherzhaft gemeint). Er stoppte, die Gabel auf halber Höhe, und sagte: "Danke, dass du mir das sagst." Nachdem er sein Steak bedächtig aufgegessen hatte, beendete er seine Antwort: "Ein Mann geht ein bißchen schneller, wenn er weiss, dass er verfolgt wird." Der Abend schritt voran, wir waren beim Dessert und ich drängte Don Julio mir zu sagen, wie lange er denn denke, dass meine Herde braucht, um zu seiner aufzuschließen - sogar wenn er ein bißchen schneller ginge. Er wollte die Antwort vermeiden, sagte dann aber: "Vierzig Jahre." Das warf mich um. Ich war jetzt 45 und konnte mir nicht vorstellen noch 40 Jahre ein Aufholspiel zu spielen. Ich beendete mein Essen schweigend. Schließlich fragte ich Don Julio:"Und wie lange würde es dauern, wenn ich Accoyo- Hengste hätte?" Er antwortete sofort: "Vier Generationen" Damals konnte ich seine Worte nicht ganz verstehen. Nicht lange nach Don Julios Besuch begann ich mich wissenschaftlich mit der Tierzucht zu befassen - Mendels Gesetze der Vererbung und Vererbung insgesamt. Ich war bemüht meinen Mentor einzuholen, aber eher wie eine lahme Schildkröte und ohne den Mann zu erreichen, den ich so verehre. Die Gabe Don Julios war eine Vision, die mich mein Leben als Alpakazüchter begleiten wird.
Ich erinnere mich, wie ich einen bestimmten Macho aus Don Julios Herde bewunderte und nachdem ich auf das Tier zeigte, sagte er ohne Zögern: "Ein Shere Khan Sohn". "Woher wissen sie das?" Er: "Durch die zwei Falten hinter seinen Nüstern." Ich sah nach und fand wirklich zwei Falten, so groß wie meine Daumennagelspitze. Ich schärfte meinen Blick und bemerkte jetzt noch mehr solche Hengste, alle mit den gleichen Falten hinter den Nüstern. Zurück im Tejada- Haus, meinem Domizil während ich in Macusani war, dachte ich darüber nach. Am nächsten Morgen kam Don Julio schon um 6 Uhr früh und fragte mich besorgt: "Wissen sie noch, was ich ihnen gestern von Shere Khans Falten erzählt habe?" Ich bejahte. Dann fast flüsternd bat er: "Bitte sagen sie's niemandem." Jeder Tierzüchter hat seine Geheimnisse und wieviele davon mag er wohl mit in sein Grab genommen haben! Werden seine herausragenden Blutlinien überleben?
Einmal sagte jemand zu mir, ich hätte Don Julio durch meine Artikel und Bücher über ihn berühmt gemacht. Das brachte mich in Verlegenheit, denn Don Julio war schon passionierter Alpakazüchter bevor die meisten von uns geboren wurden. Er war schon bekannt, lange bevor ich 1984 mein erstes Alpaka kaufte. In seinem Buch Animal Breeding and Production of American Camelids sagt Rigoberto Calle Escobar 1984 dass Mr. Julio E. Barreda einer der angesehensten Alpakazüchter Perus ist. Accoyo- Machos decken auf vielen Estancias außerhalb des peruanischen Altiplano Hembras mit positivem Einfluss auf die Zucht. Don Julios Ruhm und sein Vermächtnis werden mit jedem neuen Accoyo- Cria wachsen.
Ich denke an die ersten Hengste, die er nach Australien schickte: Ledgers Dream, Highlander, Inti und El Dorado genauso wie an die, die er 1994 in die USA sandte: Caligula, Felix, Camillo, Drazno, Torbio und Ramilo. Sie alle waren persönlich von Don Julio von Accoyo aus Majada de Plantel ausgesucht. Ein jeder war herausragend, kraftvoll und potent und sie veränderten die Vorstellung von exzellenter Qualität in der internationalen Alpakazucht. Oft dachte ich, dass diese Machos in mancher Hinsicht die besten waren, die je von Accoyo kamen. Ich fragte Don Julio warum er seine besten Hengste geschickt hatte. "Sie waren meine Visitenkarte." sagte er. "Ich wollte, dass sich Australien und die USA an Accoyo erinnern." Das werden wir, Don Julio!
Accoyo wurde schnell zum Mekka der Alpakazucht. Jeder Züchter träumte von einer Pilgerfahrt dorthin, um zwischen den Logos der Huacayas und Suris, die mit Präzision auf den weißen Stuck der Eingangspforte gemalt sind, ein Foto zu machen. Don Julio war der Rockstar der Alpakagemeinde und jeder wollte ein Autogramm, einen Händedruck und eine Möglichkeit ihm seine Ehrerbietung zu zeigen. Er war immer höflich, geduldig und stets bereit mit Freunden für ein Foto zu posieren.
Julio Barreda war dreimal Bürgermeister von Macusani. Mit Leichtigkeit konnte er die Menschen fesseln und mit seinen Worten bis zu Tränen rühren. Er war ein mitfühlender Kämpfer für die Quechua- Einwohner und engagierte sich mit aufrichtigen Apellen für deren Kinder, die in ärmlichen Verhältnissen ohne Schuhe, mit infektiös- verkrusteten Nasen und vor Hunger traurigen Augen, aufwuchsen. Wenn er die Bibel zitierte erinnerte er uns, dass Jesus uns auffordert, für die Waisen und Alten zu sorgen. Er berührte unsere Herzen.
Ich sah Julio zuletzt im November 2005 auf Accoyo, seine geliebte Tochter an seiner Seite. Er wirkte energisch, war bei klarem Verstand, rief seinen Cowboys wie gewohnt Befehle zu und zeigte uns seine edelsten Tiere. Ich weiß, dass Gott Julio willkommen geheißen hat. Er ist dort mit Shangri - la, Aribal, Lord und Shere Khan in den weiten Tälern bewachsen von Ichu - Gras, das von den aufsteigenden Wassern des Titicaca - Sees begrünt wird. Hier auf Erden ging Don Julio Gottes Weg mit unübertroffener Würde und ich weiß, er ruht in Frieden - ein Schäfer umgeben von seinen Crias. Wir werden dich vermissen, Don Julio.







